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Belgien - klein, aber oho!
Mittwoch, 13. Juni 2012

Das belgische Team beim Welt Cup in Aalen

Belgien - kleines Land, trotzdem spitze, sogar weltspitze. Dabei wird sogar überhaupt nur in der Region Flandern Sportakrobatik betrieben. Gerade einmal gut sechs Millionen Menschen leben dort im Norden des Landes, nicht einmal ein Zehntel der deutschen Bevölkerung. In der Sportakrobatik sind sie trotzdem um Welten besser als wir. Warum? Drei Fragen zum belgischen Erfolg, gestellt vergangene Woche beim Welt Cup in Aalen.

Sind die Belgier berufsmäßige Sportakrobaten?

Nein, auch für die Belgier ist Sportakrobatik nur ein Hobby. Die meisten studieren oder gehen noch zur Schule. Manche von ihnen erhalten jedoch einen finanziellen Zuschuss. Die Voraussetzungen dafür sind allerdings äußerst hoch. Erstens: Eine Förderung gibt es erst ab der Altersklasse Senioren. Zweitens: Edelmetall bei EM, WM oder World Games.

Sportler, die noch zur Schule gehen - also die Obermänner - bekommen selbst als Weltmeister nichts. Für die Älteren gilt: Je höher der schulische bzw. universitäre Abschluss, desto mehr Geld kann es geben. Im besten Fall wären knapp 2.500 Euro pro Monat drin, faktisch bekommen aber beispielsweise die Unterfrauen des belgischen Senioren-Trios, Lara Schollier und Sanne Van Overberghe (zweifache Vizeeuropameister 2011 und Vizeweltmeister 2012), beide etwa 400 Euro Zuschuss im Monat. Mixed-Paar-Weltmeister Nicolas Vleeshouwers bekommt im Moment noch gar nichts. Die WM in Orlando war sein erster Start in der Altersklasse Senioren, mit dem Titelgewinn hat er auch die zweite Voraussetzung für eine Förderung erfüllt. Jetzt laufen entsprechende Anträge.

Wie viel Arbeit steckt im belgischen Erfolg?

28 Stunden Training pro Woche. An vier Tagen stehen gleich zwei Trainingseinheiten auf dem Programm, ein Tag ist frei. Geübt wird in Gent bei Sergey Tretyakov (Cheftrainer), Slavik Kosakovsky und der Choreografin Irina Shadrina, die eine halbe Stelle hat. Im Topsportzentrum Gent zieht der Turnverband Flandern seine besten Sportakrobaten (und Kunstturner) zusammen - dort können die Sportler in einem Internat wohnen, außerdem bestehen mit einigen Schulen und der Universität Kooperationen, die das viele Training überhaupt ermöglichen. Aktuell zählt das Telenet Topsport Acrobatic Team 14 Sportakrobaten in fünf Formationen.

Bleiben bei den Belgiern dann Schule, Ausbildung und Studium auf der Strecke?

Im Gegenteil. Theoretisch spielen die Noten für die Aufnahme ins Topsportzentrum keine Rolle, praktisch sind aber alle Aktiven nicht nur als Sportakrobaten spitze, sondern auch als Schüler oder Studenten. Die Sportler müssen Tretyakov ihre Zeugnisse zeigen: Wenn sich die schulische Leistung verschlechtert, ist auch mit dem Training bei ihm im Topsportzentrum Schluss. Die Ausbildung geht für Tretyakov vor! So berichtet der Trainer nicht ohne Stolz, dass beispielsweise zwei seiner ehemaligen Athleten heute Top-Rechtsanwälte in Belgien sind.

In der Praxis sieht das dann so aus: In Aalen gingen die Welt-Cup-Wettkämpfe zwar immer erst am späten Nachmittag los, von der Stadt hat das belgische Team dennoch nichts gesehen: In der freien Zeit saßen die Sportler im Hotel und haben Hausaufgaben gemacht oder gelernt.

 

Kommentare

 
+3 ronno 19. Juli 2012
@ W.H.


Wo findet die EM statt?

Also doch keine "ENTE".

Bitte mehr Professionalität vom Verband!!!!!!!!
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-2 w.h. 26. Juni 2012
zitiere ronno:
@ SVEN BOSCH

vorraussichtlich in LISSABON (Portugal).

Ne "Ente"
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+4 ronno 23. Juni 2012
@ SVEN BOSCH

vorraussichtlich in LISSABON (Portugal).
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+4 Lena 22. Juni 2012
zitiere Lena:
Ich muss W.H. recht geben. Leider wird in unserer Sportart viel zu wenig über den Tellerrand hinaus auf verwandte Sportarten geschaut, auch die neusten Biomechanischen-, Trainings-und Bewegungswissenschaftlichen Erkenntnisse werden eher belächelt, als hinterfragt...das ist sehr schade! Einige Landesverbände und Vereine bemühen sich, in kooperation mit den Turnern und Sporthochschulen zu arbeiten, von anderen wird das engagement einzelner Trainer aus Inkompetenz oder beharren an alsten Strukturen, belächelt und verurteilt. Ich denke, dass die deutsche Sportakrobatik weiterhin im Nachteil sein wird, wenn sie die Trainingsstrukturen nicht mit den Erkenntnissen aus anderen Sportarten (Turnen, Trampolin usw.) und wiss. Disziplinen bereichert. Aber bisher beruht diese Erkenntniserweiterung nur auf der Initiative vereinzelter Trainer oder Vereine...
Das ist schade!!!Aber es ist so!

Ich stimme natürlich auch Soenderbergs und dieters Kommentaren zu, bin aber der Meinung, dass sich die Strukturen nicht ändern werden, so lange an den "alten, bewährten Strukturen"festgehalten wird, weil es bisher immer irgendwie funktioniert hat!!!
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+4 Lena 22. Juni 2012
Ich muss W.H. recht geben. Leider wird in unserer Sportart viel zu wenig über den Tellerrand hinaus auf verwandte Sportarten geschaut, auch die neusten Biomechanischen-, Trainings-und Bewegungswissenschaftlichen Erkenntnisse werden eher belächelt, als hinterfragt...das ist sehr schade! Einige Landesverbände und Vereine bemühen sich, in kooperation mit den Turnern und Sporthochschulen zu arbeiten, von anderen wird das engagement einzelner Trainer aus Inkompetenz oder beharren an alsten Strukturen, belächelt und verurteilt. Ich denke, dass die deutsche Sportakrobatik weiterhin im Nachteil sein wird, wenn sie die Trainingsstrukturen nicht mit den Erkenntnissen aus anderen Sportarten (Turnen, Trampolin usw.) und wiss. Disziplinen bereichert. Aber bisher beruht diese Erkenntniserweiterung nur auf der Initiative vereinzelter Trainer oder Vereine...
Das ist schade!!!Aber es ist so!
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0 sven bosch 16. Juni 2012
Wo finden im Oktober 2013 eigentlich die Europameisterschaften statt?
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+8 Soederberg 16. Juni 2012
zu w.h.:
es ist bedauerlich und die Reaktion verständlich bei Diskriminierung und Unsportlichkeit unter Funktionären, unter Sportlern sicherlich nicht vorstellbar. Aber: es bleibt ein Fakt, dass es klüger ist Ressourcen zu konzentrieren, statt zu zersplittern. Das beginnt bei materiellen Dingen, wie Nutzung von Sporthallen, Physiotherapie, Sportmedizinische Betreuung, Trainingslagerstätten, als auch von "manpower" bzw. "womanpower" in der Halle. Sinnvoll für beide Sportarten ist eine Ballett-bzw. tänzerische Grundausbildung, eine Zusammenarbeit bei der Bodenakro, Trampolin als methodisches Mittel, als auch die Nutzung sportwissenschaftlicher Erkenntnisse der "Turnerei" generell. Darüber hinaus gibt es Beispiele einer gemeinsamen turnerischen Grundausbildung z.B. im Vorschulbereich, aus der dann erfolgreiche Sportakrobaten hervorgingen. Wahrscheinlich gibt es im Moment wohl keine Lobby für diese "Vernuft-Ehe", von den erwähnten positiven Beispielen einmal abgesehen. Schade, denn die gemeinsamen Auftritte z.B. beim Feuerwerk der Turnkunst und anderer Events zeigt deutlich das gemeinsame theoretische Publikumspotential unserer Sportart!
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+3 w.h. 15. Juni 2012
zitiere Dieter:
Finde ich gut, wenn mal so ein wenig über den eigenen Tellerrand geschaut wird!
Zu Soederberg: Wenn man bedenkt, dass z.B. Bayern mehr Einwohner als Belgien hat, könnte ich mir solche Modelle schon auch innerhalb des föderalen Systems vorstellen. Aber da müssten dann eben die Landesverbände weniger schlafmützig sein und doch auch energischer mit den Turnern kooperieren, vielleicht auch grenzübergreifend tätig werden (z.B. Württemberg, Bayern). Ob die Loslösung von den Turnern weiterführt (wie vor einem Jahr in der Pfalz, wenn ich mich nicht irre), wage ich zu bezweifeln.

In Sachen Austritt aus den Turnlandesverbänden wie Rheinland-Pfalz, Saarland und NRW habe ich aus sportpolitischen Gründen großes Verständnis. Wie mit den Sportakrobaten in einigen Landesturnverbänden teilweise umgegangen wurde und noch wird, ist oft sehr diskriminierend in Richtung Untersportart betrachtend zu sehen (das reicht bis zu Eingriffen in die Pressefreiheit). Dem gegenüber stehen zwei sehr positive Beispiele wie Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, aber hier hat die Sportakrobatik aus langer Tradition heraus eine starke Lobby, an der man dort nicht vorbei kann. Als Olympische Sportart hat das Turnen in Deutschland die Möglichkeit, auf der Basis sportwissenschaftlicher Erkenntnisse zu arbeiten. In unserer Sportakrobatik würde ich mir wünschen, dass in der Breite für den Grundlagenaufbau mehr diese Erkenntnisse genutzt werden. Das hat nichts mit der Verbandszugehörigkeit zu tun.
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+3 Sebastian Schipfel 14. Juni 2012
zitiere Soederberg:
Ebenfalls Interessant wäre auch, wer die finanzielle Unterstützung leistet, Kommunen, Sponsoren oder das Land?

Wenn ich das richtig verstanden habe, läppern sich die Zuschüsse so zusammen: Es gibt prinzipiell wohl beim Verband, beim Sportamt (BLOSO) und beim Verteidigungsministerium etwas zu holen...
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+10 Dieter 14. Juni 2012
Finde ich gut, wenn mal so ein wenig über den eigenen Tellerrand geschaut wird!
Zu Soederberg: Wenn man bedenkt, dass z.B. Bayern mehr Einwohner als Belgien hat, könnte ich mir solche Modelle schon auch innerhalb des föderalen Systems vorstellen. Aber da müssten dann eben die Landesverbände weniger schlafmützig sein und doch auch energischer mit den Turnern kooperieren, vielleicht auch grenzübergreifend tätig werden (z.B. Württemberg, Bayern). Ob die Loslösung von den Turnern weiterführt (wie vor einem Jahr in der Pfalz, wenn ich mich nicht irre), wage ich zu bezweifeln.
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+20 Soederberg 14. Juni 2012
Ja, so kann es funktionieren. Interessant finde ich die Konzentration und Zentralisierung in einem Topsportzentrum zusammen mit den Turnern.In unserem "föderalen System" kaum vorstellbar. Ebenfalls Interessant wäre auch, wer die finanzielle Unterstützung leistet, Kommunen, Sponsoren oder das Land? Sehr verantwortungsvoll auch die Einstellung zu Schule und Studium! Mit den Sportgymnasien im "Osten" gibt es allerdings eine ansatzweise ähnliche Umsetzung dieser Praxis.
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